#wirtschaft014-mode

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Foto: Grünspecht

Vor einem halben Jahr wurde das erste Geschäft für faire Mode „Xiling“ in Ried eröffnet und damit ein Kontrapunkt zum aktuell dominanten Modebusiness gesetzt, das „Wegwerfmode“ samt ökologisch und sozial unverträglichen Produktionsweisen forciert. Was steckt hinter dem Konzept?

„Slow Fashion“ steht für die Entschleunigung der Modeindustrie, das heißt, der Konsum soll verlangsamt und Kleidung länger getragen werden. Ziel ist es, damit bessere Bedingungen für Mensch und Natur zu schaffen. Das bedeutet, dass jede Kleidermarke von der Geschäftsführerin Frau Janna Binder selbst ausgewählt, auf Herz, Nieren und Nachhaltigkeit geprüft und offiziell zertifiziert wurde. Die Mode sei „fesch und fair“, wie Frau Binder meint: „Fair gegenüber den Menschen, die sie produzieren, und gegenüber der Umwelt, die die Rohstoffe liefert, die wir so schätzen. Fair aber auch gegenüber den KundInnen, die beste Qualität verdienen und das sichere Gefühl beim Einkaufen, ein Zeichen zu setzen für eine faire Modewelt.

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Foto: Oberwagner – Xiling

Das ist in den meisten Läden leider anders. Aktuell bringen große Modemarken alle 2 bis 4 Wochen eine neue Kollektion auf den Markt. Der Entstehungsprozess ist unglaublich schnell, einige Online-Anbieter für Kleidung benötigen mitunter nur 4 Tage von der Idee zum fertigen, für den Verkauf bereiten Produkt. Dieser Wechsel fördert viel zu häufige Impulskäufe vor allem jugendlicher KonsumentInnen, erzeugt viel Müll durch die hohe Sättigung (18 % der gekauften Kleidungsstücke in Deutschland werden insgesamt nur 2 x getragen, bevor sie entsorgt oder weitergegeben werden) und die schlechte Qualität der Produkte und ist zudem verantwortlich für enorme Umweltschäden und die kontinuierliche Ausbeutung der ArbeiterInnen in der Textilindustrie.

Billigstmode, die niemand braucht

„Kinderarbeit, Zwangsarbeit und die Verfolgung von GewerkschafterInnen stehen auch im Jahr 2021 noch immer an der Tagesordnung in der Textilindustrie“, bestätigt das Netzwerk Soziale Verantwortung, das sich für ein Lieferkettengesetz einsetzt, das den Import von Textilien verbieten soll, deren Produktion im Zusammenhang mit Menschrechtsverletzungen steht. Denn jährlich werden rund 80 Milliarden Kleidungsstücke produziert, allein ca. 90 Prozent davon in Ländern wie China und Bangladesch, wo ArbeiterInnen für eine 60-Stunden-Woche oft nicht einmal 10 Dollar verdienen, kein Anrecht auf Bezahlung bei Krankheit und Unfall haben und ihre Gesundheit beim Umgang mit toxischen Stoffen und nicht adäquatem Arbeitsmaterial einem täglichen Risiko aussetzen müssen. Es ist die Regel – nicht die Ausnahme –, dass große Modeanbieter auf diese Weise produzieren lassen um dann das Leiberl im Geschäft um 5 Euro anzubieten.

Und auch für enorme Umweltschäden zeichnet die Textilindustrie verantwortlich: 2015 hat die Textilindustrie laut Greenpeace weltweit mehr Treibhausgase ausgestoßen als der gesamte Flug- und Schiffverkehr zusammen verantwortlich (insgesamt 8 – 10 % der weltweiten Emissionen). Auch der Ressourcenverbrauch ist enorm: Eine Jacke aus traditionell gewonnener Baumwolle benötigt beispielsweise über 10.000 Liter Wasser in der Herstellung (das sind umgerechnet ca. 20 Jahre Trinkwasser für eine Person), dazu kommen die Herbizide und Pestizide, die in der Baumwollzucht verwendet werden und Flüsse, Erde, Luft und ArbeiterInnen vergiften. All das für Kleidung, die niemand wirklich braucht. Jährlich landen 100 Millionen Tonnen Textilien auf Müllbergen, an Küsten, in Wüsten – vornehmlich in Ländern des Globalen Südens, die auch in diesem Bereich die Bürden der Wegwerfgesellschaft auf vielfältige Weise tragen müssen.

Nachhaltige Mode, die jeder will

„Slow fashion“ macht da nicht mit. Immer mehr neue Modemarken wählen einen anderen Weg und bevorzugen nachwachsende Materialien, Stoffe in Bio-Qualität, die ohne toxische Zusätze und mit vieler weniger Energieaufwand hergestellt werden. Sie produzieren und verarbeiten vor Ort oder anderswo in Europa und vermeiden so lange Transportwege und sklavenähnliche Arbeitsbedingungen – sie legen im Gegenteil besonderen Wert auf hohe Standards. Garantiert werden all diese selbst gewählten Ansprüche durch Zertifizierungen, die unabhängig deren Einhaltung bewerten, wie GOTS, FairWear, BEST, etc. Ein weiteres, vielversprechendes Produktionsmodell ist Upcycling. Dabei werden Textilien oder auch andere Stoffe (bspw. PET-Flaschen, die aus dem Meer gefischt wurden) zu neuen Kleidungsstücken verarbeitet.

QUELLEN:
Netzwerk Soziale Verantwortung www.nesove.at
Greenpeace www.greenpeace.at
Clean Clothes Kampagne www.cleanclothes.at


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